Gestern vor einem Jahr ist meine geliebte Andrea getötet worden. http://derscholz.posterous.com/tag/andreacaesar
Sie ist von einem rücksichtslosen Kurierfahrer getötet worden, über den in der Anklageschrift steht „Der Angeschuldigte hat sich durch sein Verhalten als ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen erwiesen“.
Trotzdem darf der immer noch fahren.
Trotzdem gibt es noch keinen Gerichtstermin.
Jeder der angetrunken fährt und dabei erwischt wird, verliert auf der Stelle erst mal seinen Führerschein. Aber jeder, der durch seine „grob verkehrswidrige und fahrlässige“ Tat (Anklageschrift) andere Menschen tötet und andere schwer verletzt, darf auch ein Jahr danach noch ungeahndet fahren.
Für mich heißt das: Er ist zwar ungeeignet, aber lasst ihn doch noch ein paar Menschen über den Haufen fahren. Was zählt das schon?
Ein Staat der so agiert, quält durch seine Borniertheit die Hinterbliebenen und Opfer zusätzlich.
Verständnis soll ich dafür haben, dass es zu wenig Richter gibt und die gnadenlos überlastet sind. Mag sein. Aber ein System, dass einen dadurch hindert, wenigstens nach einem Jahr ein wenig Frieden zu finden, existiert für sich selbst, aber nicht für seine Bürger – wohl aber für die Täter.
Da stimmt was grundsätzlich nicht.
Mir ist klar, dass ein Gericht hier durch einen Schuldspruch nicht Gerechtigkeit herstellen kann, aber es kann wenigstens dafür Sorge tragen, dass die Tat gesühnt wird, dass die Hinterbliebenen wenigstens formal abschließen können.
Die Traumata werden bleiben.
Für mich war es ein Jahr voll seelischer Schmerzen, mit vielen Momenten, wo ich selbst nicht mehr gewollt habe. Ohne einige gute Freunde und meine Familie, sowie meine Schwägerin Britta (mit der ich sehr lange befreundet bin) hätte ich insbesondere die ersten Tage nicht überlebt.
Es ist aber auch ein Jahr, in dem deutlich geworden ist, wer Freunde sind und welche es wohl nie waren.
Gleichzeitig ist es ein Jahr, wo ich auch dadurch, dass ich über meine Schmerzen und Pein gebloggt und getwittert habe, neue interessante und wertvolle Menschen kennen gelernt habe.
Euch allen möchte ich für Eure Unterstützung dank sagen. DANKE!
Ich habe mich wieder langsam ins Leben vorgetastet – das ist schwer.
Ich gebe mir aufrichtig Mühe, meinen Gefühlen zu folgen und mich auf eine neue Liebe einzulassen. Das ist nicht einfach.
Andrea ist in meinem Herzen und wird da immer bleiben. Sie lebt jetzt in mir und durch mich hindurch.